Mit der GOES Terrox 1000 beim Pothole Rodeo Germany

09.07.2026

Ob man will oder nicht: Die meisten ATVs laufen hierzulande zum größten Teil auf der Straße. Aber eine große Reise mit dem ATV? Kilometer schrubben auf Asphalt, ist das Schwachsinn oder großes Kino?               4 Räder, 1 Riemen hat es ausprobiert bei einer ganz speziellen Veranstaltung.

Prima, ich darf eine Woche lang die GOES Terrox 1000 Touring Pro ausprobieren. Eine Woche, da kommt mir das Pothole Rodeo Germany sehr entgegen. Diese Spaßrallye dauert fünf Tage und die Streckenlänge beträgt über den Daumen gepeilt 2000 km. Genau lässt sich das nicht sagen, denn bei einem Pothole Rodeo sucht sich jeder seine Strecke selbst. Man bekommt lediglich ein Roadbook mit täglich drei Routenvorschlägen, aber wie man zum nächsten Checkpoint gelangt, bleibt jedem Team selbst überlassen. Das gilt auch für die Wahl des Schlafplatzes. Man kann im meist sehr rustikalen Camp des Veranstalters schlafen, gediegen im Hotel oder zur Not auch im eigenen Auto. Hauptsache, man ist am nächsten Morgen um 8 Uhr am Checkpoint und streicht seine Startnummer ab. Das ist aber auch schon die einzige Regel. Ansonsten ist erlaubt was gefällt. Das gilt für Menschen und Fahrzeuge gleichermaßen.

Die fast fabrikneue Terrox 1000 wirkt geradezu seriös im Vergleich zu manch anderen Teilnehmerfahrzeugen, die sich auf dem riesigen Parkplatz vor dem ehemaligen MZ-Werk in Zschopau versammelt haben. Das Werk im Erzgebirge ist längst ein Wallfahrtsort für viele Biker aus der ehemaligen DDR. Heute beherbergt es unter anderem das absolut sehenswerte Deutsche Enduromuseum. Und es liefert die Kulisse für den Start des Pothole Rodeo Germany.

Als erstes steht gleich eine Doppeletappe auf dem Programm. Die Teilnehmer sehen sich erst am übernächsten Abend oben an der Ostseeküste in Ribnitz-Damgarten wieder. Manche schlagen sich über Polen nach Norden durch. Einige nehmen ganz bequem die B 101 nach Berlin und wechseln dort auf die B 96, die "Route 66 des Ostens", die von Zittau bis hinauf an die Küste führt. Ich fahre erstmal Richtung Osten über die Kämme des Erzgebirges immer hart an der tschechischen Grenze entlang. Kurve reiht sich an Kurve. Und ich freue mich über das Hinterachse-Differenzial der Terrox. Damit wird Kurvenfahren zum Vergnügen. Kein Vergleich jedenfalls mit dem brutalen Untersteuern bei Maschinen mit starrem Durchtrieb hinten. Selbst enge Kreisverkehre verlieren ihren Schrecken. Auch die Wankneigung der Terrox in schnellen Kurven hält sich in engen Grenzen. Für ein eher hochbeiniges Offroadfahrzeug klebt sie geradezu auf dem Asphalt. Sollte es doch einmal zu schnell um die Ecke gehen, hilft Gas wegnehmen oder ein kurzer Zug am Handbremshebel. Dann hat man die Terrox wieder im Zaum. Im oberen Elbtal, dort wo die Sächsische Schweiz am schweizerischten ist, geht es vorbei an der Basteibrücke, der Feste Königsstein, hinüber nach Bad Schandau. Im Kirnitzschtal muss man wirklich aufpassen. Es kann durchaus sein, dass einem die gleichnamige Bahn entgegenkommt. Die Schienen verlaufen auf der rechten Straßenseite und werden in beide Richtungen befahren.

In Hohburkersdorf gibt es eine alte, viel zu breite Betonbrücke für den kleinen Ort. Zu deren Füßen liegt eine Gastwirtschaft mit Namen "Einkehr zur Rennstrecke". Beides erinnert an den "Deutschlandring", eine Rennstrecke, auf der nie ein Rennen stattgefunden hat. Kurz vor der geplanten Eröffnung dieses Mini-Nürburgrings begann der zweite Weltkrieg und danach gab es erst einmal Wichtigeres als Autorennen. Wer will kann den Deutschlandring heute noch befahren. Es sind alles öffentliche Straßen. Einfach auf der Brücke Richtung Norden starten und dann immer bei der ersten Möglichkeit rechts abbiegen. Nach exakt 10 Kilometern sollte man wieder auf der Brücke stehen.

Mit der Terrox wäre das bestimmt eine Supersache, aber wir müssen los. Bis zum Hotel in Frankfurt (Oder) ist es noch weit. Auf den geraden Straßen der Lausitz kann ich es gut gehen lassen. Der V2 der Terrox ist wirklich erste Sahne. Mit 86 PS ist er zwar nicht der Stärkste seiner Klasse, aber mit Sicherheit einer der der kultiviertesten. Er schiebt sauber und gleichmäßig aus dem Drehzahlkeller heraus an und gibt sich im Bereich um 6000 U/min ausgesprochen elastisch. Mal eben einen LKW überholen? Kein Problem, ein kurzer Druck aufs Daumengas und die große GOES zieht locker vorbei. Das vermittelt ein Gefühl von Gelassenheit und letztlich auch von Sicherheit. Die optimale Reisegeschwindigkeit liegt zwischen 80 und 90 km/h. Nicht, dass die Terrox nicht schneller könnte, sie ist erst bei echten 105 km/h abgeregelt, aber ab 90 km/h wird es richtig laut. Die grobstolligen CST Stag der Serienbereifung sind eben keine Leisetreter. Außerdem zerrt der Fahrtwind ab 90 km/h durchaus heftig an den Oberarmen. Da gibt der rechte Daumen irgendwann freiwillig nach.

Am nächsten Morgen geht es in Frankfurt über die Stadtbrücke hinüber ins polnische Slubice. Ich will probieren, ob man in Polen direkt am Oderdeich entlang fahren kann. Also im Kreisverkehr unmittelbar nach der Brücke die vierte Ausfahrt nehmen und dann immer links halten. Irgendwann hören die Häuser auf und der Asphalt auch. Jetzt beginnt ein rund 25 km langer Schotterweg direkt am Fuß des Deiches, der bis nach Küstrin führt. Das ist genial. Noch genialer ist, dass man den Deich in regelmäßigen Abständen überqueren und dann fast bis ans Wasser fahren kann. Die Angler machen das zum Beispiel. Es gibt richtig ausgefahrene kleine Wege hier im Überflutungsgebiet der Oder. Auf der anderen Seite in Deutschland wäre das undenkbar. Dort ist sogar die Straße am Fuß des Deiches nur mit Sondergenehmigung befahrbar. In Polen ist nur das Fahren auf der Deichkrone verboten. Aber das macht auch keiner.

In Ribnitz-Damgarten haben sie das Camp auf einer Wiese direkt am Bodden errichtet. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Ruhe das spiegelglatte Boddenwasser vermittelt. Aber wenn schon so weit oben im Norden, dann soll die Terrox auch die Ostsee, also das richtige Meer sehen. In Graal-Müritz kann man bis an die Strandpromenade mit der Seebrücke fahren. Da fallen die die paar verbotenen Meter in die Mitte der Promenade für ein paar schnelle Fotos sicher nicht in Gewicht. Und siehe da: Niemand beschwert sich. Die Terrox findet sogar Bewunderer. Von nun an geht es nur noch südwärts. Kurz vor Magdeburg erhebt sich ein riesiger weißer Berg aus der Ebene. Es ist der "Kalimanscharo", wie sie die Abraumhalde des Kaliwerks Zielitz hier nennen. Mit 120 m ist sie die angeblich höchste Erhebung zwischen Magdeburg und der Ostsee."Mama, ich kann das Meer sehen!"

Jetzt wird es brutal. Die Hitzewelle des Juni nimmt Deutschland in Beschlag. 33° schon um 10 Uhr am Vormittag. Das Fahren mit Helm und dicker Montur wird zur Qual. Wenigstens hält sich die Terrox vornehm zurück, was die Weitergabe ihrer Motorabwärme an den Fahrer angeht. Durch die Verkleidung dringt auch bei langsamer Fahrt so gut wie nichts. Überhaupt entpuppt sich die große GOES als ausgesprochen komfortable Reisemaschine. Das beginnt schon im Stand. Der Koffer aus dem Original-Zubehörprogramm fast 110 Liter. Das reicht ohne große Einschränkung für einen 14-tägigen Trip. Der Koffer ist ein wirkliches Muss, denn die Terrox verfügt sonst nur über zwei kleine Klappfächer vor den Fahrerknien. Die sind gerade ausreichend für den täglichen Krimskrams. Die Sitzbank ist angenehm straff, aber nicht hart gepolstert. Die Höhe der Sitzbank ermöglicht auch Menschen um 1,90 m eine entspannte Sitzposition ohne angewinkelte Beine. Die Bedienung der Maschine gibt keinerlei Rätsel auf. Alle Schalter sind selbsterklärend und leicht erreichbar. Lediglich der Getriebewahlhebel will manchmal nicht den Rückwärtsgang verlassen. Hier hilft ein kurzes Ruckeln. Die freundlichen GOES-Leute empfehlen aber sowieso bei jedem Gangwechsel die Fußbremse zu treten. Dann blockiert auch nichts. Das Display ist absolut blendfrei und gut ablesbar. Die Grundeinstellung liefert alle relevanten Informationen. Der Höhepunkt an Luxus aber ist das Apple CarPlay. Einmal via Bluetooth zum Laufen gebracht, läuft es stabil. Das Handy steckt sicher in der Jacke und vor Dir spult sich formatfüllend die Route ab- genial. Google Maps ist übrigens für die Navigation beim Pothole Rodeo völlig ausreichend. Dort lassen sich über QR-Codes im Roadbook auch wichtige Punkte oder die Camps aufrufen. Die liegen nämlich manchmal ganz schön abseits.

Mödlareuth, ein winziges Nest genau auf der Grenze zwischen Bayern und Thüringen war jahrzehntelang geteilt, eine Art kleines Berlin. Aber im Gegensatz zur Hauptstadt haben sie einen Teil der Grenzanlagen stehen lassen und zum Teil sogar nachgebaut. Die rund 50 Einwohner leben also in einer Art Freilichtmuseum der eher gruseligen Art. Der ehemalige Todesstreifen ist frisch geharkt.

Normalerweise hat die Bremse der Terrox 1000 eher wenig zu tun, denn die Bremswirkung des Motors ist durchaus beachtlich. Deswegen riskiere ich auf den wenig befahrenen Straßen im Bayerischen Wald probehalber eine Vollbremsung aus 80 km/h. Also voll rein in die Eisen: Die Terrox geht vorn leicht in die Knie, bleibt aber absolut stur in der Spur - und steht. Von einem Eingriff des ABS war nichts zu merken. Harakiri-Bremsmanöver fühlen sich definitiv anders aus. Das hier war souverän.

In Regensburg ist an einem sonnigen Samstag die Hölle los. In den engen Straßen rund um den Dom muss man wirklich aufpassen, dass einem keiner vor den massiven Stossfänger läuft, so dicht ist das Gedränge. Dann lieber schnell  noch einen  kurzen Blick auf Donau und Dom und gleich weiter zum Ziel im österreichischen Kapfenberg. Aber nach fünf Tagen und exakt 1956 km gibt es keine triumphale Fahrt durch den Zielbogen, sondern einen kapitalen Teilnehmerstau davor. Aber was soll's, angekommen ist angekommen. Die Terrox hat echte Steherqualitäten bewiesen und nicht den Hauch eines Problems gemacht. Wahrscheinlich ist sie im Ziel fitter als der Fahrer

4 Räder, 1 Riemen meint: 400 bis 500 km pro Tag sind durchausdrin mi der  GOES Terrox 1000 Touring Pro. Ob das jedermanns Sache ist, steht auf einem anderen Blatt. Fest steht, die große GOES ist auch onroad ein exzellentes Fahrzeug und bestens geeignet für die lange Strecke. Mit einer leiseren AT-Bereifung und einem Windschild vorne wäre sie als Reisemaschine sogar "next to perfect". Und - ich traue es mich kaum zu sagen - mit einem Tempomat zur Daumenschonung wäre sie perfekt.

Für alle, die wirklich einmal eine andere Art des Reisen suchen, sind die Pothole Rodeos eine echte Alternative. Diese Low-Budget-Spaßrallyes mit einem Schuss Kindergeburtstag fordern einfach nur viel Flexibilität von den Teilnehmern, dann kommt der Spaß von ganz allein. Ab 2027 werden die Pothole Rodeos auch ganz offiziell für ATVs und Quads ausgeschrieben. Wer es es einfach mal ausprobieren will, ist bei der Deutschland-Edition richtig. Ein heißer Tipp ist auch Österreich. Nur ganz Wagemutige buchen gleich das Pothole Rodeo Balkan oder Marokko.


▶️ www.goes4x4.de

▶️ www.backroadclub.com