Jörg Braun und die Quadix-Story
Doppeljubiläum 2026 im Hause Quadix: Deutschlands größter und erfolgreichster Importeur im Bereich Powersports wird stramme 20 Jahre alt und Quadix-Chef Jörg Braun gar stolze 60. 4 Räder, 1 Riemen gratuliert.

"Euer Jörg von Quadix." Das ist traditionell sein Schlusssatz, wenn er mal wieder auf Social Media ein neues ATV anpreist. Und so wie er das "R" rollt, ist eines klar: Der Mann ist "fränkisch by nature", in Bamberg geboren, in Bamberg geblieben und dann in Bamberg Deutschlands dienstältesten und wohl auch größten Importeur für ATV, SSV und Quad aufgebaut. Jörg Braun, Jahrgang 1966 und seit exakt 20 Jahren Chef von Quadix steht hinter seiner Firma und den Fahrzeugen, die sie importiert - auch wenn keine Kamera läuft. "Manche Leute verkaufen heute Pizzapfannen und morgen etwas anderes", sagt er, "aber bei uns ist Herzblut dabei. Wir wollen die Fahrzeuge, die wir verkaufen ständig verbessern und die Kunden zufrieden machen".

Doch sein Lebensweg sah zunächst ganz anders aus. Offroad, mit alten Landys rumkurven oder campen, das war allenfalls Hobby. Der junge Jörg absolvierte ganz stramm eine Ausbildung zum Bürokaufmann und Bilanzbuchhalter. Das passt zwar so gar nicht ins Bild des erfolgreichen Importeurs, "aber als Bilanzbuchhalter kennst Du Deine Zahlen", sagt er trocken, "und das kann nicht jedes Unternehmen in der Branche von sich sagen."
In den 1980ern gründete er mit seinem Cousin zunächst ein Computersystemhaus. In dem Zusammenhang unternahm er erste Reisen nach China, lernte die chinesische Mentalität kennen und lernte vor allem, wie man günstig chinesische Produkte nach Deutschland importiert. Erst waren es Computerbauteile, später dann geländegängige Fahrzeuge. Denn 2006 machte Braun sein Hobby zum Beruf und stieg ins Quad-Geschäft ein. "Damals gab es Polaris und Can-Am", erinnert er sich, "aber das war's im Großen und Ganzen." Braun jedoch wollte vernünftige und bezahlbare Fahrzeuge auf den Markt bringen - am besten "made in China", denn mit China kannte er sich aus. "Wir haben angefangen mit Marken wie Hisun oder Bashan und haben Unmengen von diesen Fahrzeugen verkauft." 2007 bekam die Firma auch einen zugkräftigen Namen, nämlich "Quadix" und 2010 ein dazu passendes attraktives Produkt.

Auf der Intermot in Köln stolperte Braun über ein seltsames Vehikel. Das sah aus wie ein geschrumpfter Jeep und hörte auf den unaussprechlichen Namen "Xingyue Buggy 800". Den schnappte er sich, klebte sein Logo vorn drauf und fertig war der "Quadix Buggy 800". Und der ging durch die Decke: Keine Zeitung, keine Zeitschrift, keine TV-Sendung ohne den kultigen kleinen Racker. "Selbst im Playboy waren wir drin", erinnert sich Braun. Quadix bot den Buggy in zahllosen Sondereditionen an. Für Special Editions hat Braun nämlich eine Vorliebe. Es gab eine "Extreme Edition", eine "Fast & Furious Edition" oder eine "Pure Edition".
Braun verbesserte den Buggy Stück für Stück in enger Abstimmung mit dem chinesischen Hersteller und passte ihn an hiesige Bedürfnisse an. So wuchs das Cockpit in der Länge um fast 7cm, damit auch normalgroße Mitteleuropäer in den Winzling passten. Und auch der Motor wuchs von 800 auf 1100 ccm. Sogar eine Elektro-Version war verfügbar. Insgesamt gingen mehr als 5000 Buggys über den Bamberger Quadix-Sitz an den Handel. "Wir könnten heute noch 10 Stück am Tag verkaufen", sagt Braun. Aber 2020 war Schluss. Die Chinesen stellten die Produktion ein und ein Versuch den Buggy in den USA weiterzubauen scheiterte an den Logistik-Wirren der Corona-Jahre.
Doch da hatte Braun längst ein neues Ass aus dem Ärmel gezogen. Ab 2018 importierte Quadix auch ATVs der Marke Stels. Die kam aus Russland und war hierzulande völlig unbekannt. Das änderte sich schnell, denn Braun drückte auch die Stels-Modelle gemäß seiner Erfolgsformel "attraktives Produkt, vernünftiger Preis" in den Markt. Und der Markt fand schnell Gefallen an diesen in russischer Massivbauweise gefertigten Maschinen; allerdings nicht an allen, denn die russische Modellpolitik war durchaus seltsam. Es gab den 850er Guepard Trophy Pro als Top-Modell mit 68 PS und gleich darunter eine 800er mit sieben PS weniger. Die wollte natürlich kein Mensch. Also machte Braun aus der Not ein Tugend, montierte farblich abgesetzte Bumper an die Kleine, verpasste ihr ein paar schicke Carbonteile und legte sie 11 cm tiefer. Fertig war die Stels 800 Touring, optimiert für die Straße und erfolgreich vermarktet als - na klar - streng limitierte "Special Edition".

Für alle Stels gab es bei Quadix auch gleich ein absolutes "must-have-Zubehör", nämlich einen für das jeweilige Modell passgenauen Koffer. Und der Clou: In die schwarzen Koffer waren bündig rote Ersatzkanister integriert. Auch die Koffer kamen aus Russland von einer Firma namens GKA. Die Idee mit den passgenauen Koffern hat Quadix inzwischen ausgeweitet und bietet sie auch für viele Modelle anderer Hersteller an. Um die 25.000 Stück gehen jedes Jahr über die Ladentische in ganz Europa, schätzt Braun. Längst ist der Kofferhandel mehr als nur ein Zubrot. Und im Gegensatz zu Stels haben die Koffer die EU-Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg unbeschadet überstanden. Fahrzeuge dürfen nämlich seit 2022 nicht mehr importiert werden, Gepäck-Koffer schon. "Wir hatten zwei wirklich gute Jahre mit Stels", resümiert Braun, "aber geht eine Tür zu, geht eine andere auf."
In diesem Fall stand auf dem Türschild "Odes". Seit 2023 bringt Quadix die Fahrzeuge aus China als Generalimporteur nach Deutschland und Österreich. Und von Anfang an wurde geklotzt und nicht gekleckert. "Alle haben Angst vor Odes" lies Braun in ganzseitigen Anzeigen verkünden. Richtig falsch lag er damit nicht. Odes-Fahrzeuge überraschten immer wieder mit einem erstaunlichen Preis/Leistungs-Verhältnis. Bestes Beispiel: Das UTV Odes Workcross 1000 mit Kabine, Heizung, Klima, also praktisch in Vollausstattung für knapp über 20.000 Euro. Oder die Pathcross 650 Pure Edition. Das war Brauns ureigenste Idee. Die Chinesen wollten für das untere Preissegment einen Einzylinder komplett neu entwickeln. Aber Braun überzeugte sie, einfach die kurze 650er auf das Nötigste zu reduzieren und auf den Markt zu werfen. Eine Zweizylinder-Maschine unter 7000. Euro, das war seinerzeit eine Ansage. Inzwischen hat sich Odes in die Spitzengruppe bei den Zulassungen in Deutschland geschoben.
Doch nicht alles hat funktioniert. Der Versuch, den Erfolg des Quadix Buggy mit einem elektrischen Mini-Hummer zu wiederholen, scheiterte. Das kleine Ding war zu teuer und mit 40 km/h auch zu langsam. Auch die Elektrifizierung des Linhai T-Boss kam über das Prototypenstadium nicht hinaus. Am Ende hätte so ein Linhai E-Boss nicht marktfähige 40.000 Euro gekostet. Und die Kooperation mit Benda war schon vor dem Anfang am Ende. Die Chinesen konnten wohl die angekündigten Fahrzeuge mit ABS nicht wie vereinbart liefern. Drum zog Braun bereits nach einem guten halben Jahr im Sommer 2025 die Reißleine.

Und jetzt im Jubiläumsjahr folgt der Paukenschlag schlechthin: Quadix wird selbst zum Hersteller. Die Franken sind zusammen mit Odes beteiligt an einer neuen Fabrik mit eigenes Belegschaft, natürlich nicht in Bamberg, sondern, wie könnte es bei Braun auch anders sein, ich China. Dort laufen künftig unter Quadix-Regie ATVs und UTVs für die Märkte innerhalb der EU vom Band. Vertrieben werden sie unter dem Markennahmen "4Trac". Bereits im Frühjahr sollen die ersten 4Trac-Fahrzeuge auf den Markt kommen und eher über kurz als lang wird 4Trac die Produkte von Odes im Quadix-Portfolio ersetzen.
Und Braun selbst? Vor einiger Zeit hat ihn mal jemand gefragt, wo er in fünf Jahren sein will. Nicht mehr in Deutschland, hat er geantwortet und gelacht. Daraus wird nun erst einmal nichts werden. Dabei wäre die Nachfolgefrage längst geklärt. Tochter Nina, von ihm selbst ausgebildet, wie er nicht ohne Stolz bemerkt, ist inzwischen Co-Geschäftsführerin und könnte die Firma übernehmen, zumindest im kaufmännischen Bereich. Aber erst einmal muss Braun jetzt mit 4Trac einen sauberen Start hinlegen. Dann wartet schon SWM darauf mit Hilfe von Quadix in Deutschland Fuß zu fassen. Vielleicht sollte Braun von vornherein einfach noch fünf Jährchen dranhängen. Dann hätte Quadix 25-jähriges Firmenjubiläum, er selbst wäre 65. Das wäre dann richtig rund, das hätte etwas von einem Lebenswerk.

4 Räder, 1 Riemen meint: Gratulation den beiden Jubilaren!
📷 Quadix-Archiv, C. Osele, kku
